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April 2009 - Veröffentlichung "Die Stimmen der Villa Blanke Hans"

Gestatten darf ich vorstellen - Die Stimmen der Villa Blanke Hans

Der dritte Föhr Roman stellt sich vor 

BuchtitelGestatten, darf ich vorstellen: Die Stimmen der Villa Blanke Hans Der dritte Teil der Föhrer Familiensaga erschien im Mai 2009. Kostprobe gefällig? "Annie Jensen kehrte im Juni auf die Insel zurück.Meine Schwester Willa war einer ihrer ersten Besucher. An einem Morgen gegen elf Uhr schritt Willa aus ihrem Gartentor, wandte sichnach rechts, ging etwa zwanzig Meter den von einer dichten Hecke beschatteten Fußweg entlang und bog in den Gartenweg ein, der zu Annies Haus führte. Die Pforte – so lange verschlossen – stand offen. Die Fenster waren trotz der frühen Stunde weit geöffnet. In einigen bauschten sich die Vorhänge im leichten Wind, als ob spitze Finger sie zur Seite rafften, um den Bewohnern einen Blick auf den Eindringling zu erlauben. Ein leichter Schauder rieselte Willas Rücken hinunter. So lange hatte die Villa schweigend und in sich gekehrt dort gestanden. Die schwarzen Scheiben hatten jeglichen Einblick verweigert, die roten Mauern neugierige Nachfragen abgewehrt. Niemand betrat das Haus, niemand kam heraus. Eingeschlossen hatten die Geister der Vergangenheit, sich selbst überlassen, ihre Energie geballt und sich bemerkbar gemacht. Nicht nur Willa hatte des Nachts, wenn sie spät ihr Badezimmerfenster schloss, die heulenden Klagen, die keifenden Anschuldigungen gehört. Die Stimmen der Lebenden, die Jahrzehnte lang geschwiegen hatten, schienen sich nun im Tod hemmungslos freien Lauf zu lassen. Manch einer, der zu nächtlicher Stunde heimkehrte – vom Kegeln, von einer Sitzung der Freiwilligen Feuerwehr oder einer Besprechung der Grünen – hatte die geisternden Lichter gesehen, die Schatten, die an den Fenstern tanzten. Andere schworen, Musik vernommen zu haben. Natürlich waren die alten Fräulein Gardebach, die letzten lebenden Bewohner, eifrige Klavierspieler gewesen, hatten oft im Sommer vierhändig ihre Etüden gespielt – warum sollten die Töne nicht nachklingen? Die Rufe, die stöhnenden Seufzer waren schwerer zu erklären. In Wyk war man sich einig: In der Villa Blanke Hans spukte es." (Auszug aus: Die Stimmen der Villa Blanke Hans von Sabine Nielsen, erschienen im Schardt Verlag, Oldenburg, 2009.) Eine verschollene Mutter, ein Vater, der nicht über seine Vergangenheit spricht, ein Geheimfach, ein verborgenes Zimmer – als Annie Jensen nach 35 Jahren aus Australien nach Föhr zurückkehrt, muss sie alte Geheimnisse konfrontieren. Mit Hilfe ihrer Nachbarinnen Ruth und Willa, und deren vier Nichten, Fritzi, Kerrin, Ose und Arne, entdeckt sie, dass die Spuren in die Vergangenheit sehr sorgfältig verwischt wurden ... Föhr träumt Föhr träumt Nach Ebbe, Flut und Tod und Die Frau des Marschbauern ist auch der dritte Teil der Föhrer Familiensaga eingebettet in liebevolle Impressionen der Insel Föhr. Gleichzeitig wirft der Roman einen Blick auf ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte, das auch heute noch erschütternde Erkenntnisse zutage treten lässt. Die Stimmen der Villa Blanke Hans Mit Die Stimmen der Villa Blanke Hans beginnt ein weiteres Kapitel im Leben der Petersen Familie. Während Willa sich um ihre zurückgekehrte Nachbarin kümmert, hat Ruth ihre eigenen Sorgen: Ein Mann hat um ein Zimmer in der „Pension der Alleinstehenden Damen“ gebeten. Aufruhr im „Haus am Meer“! Auch unter den vier Nichten rührt sich allerhand: mit Sorge beobachten Ose und Arne, dass ihre Schwester Fritzi sich von Kalle, Oses Vermieter, angezogen fühlt. Bestätigt das ihren Verdacht, dass es in Fritzis Ehe krieselt – mit Hajo im fernen Hongkong? Ose hat neue Ideen für die Galerie im Stall und Arnes Zukunft als Leiterin eines Behindertenheims in der Nähe von Kiel ist plötzlich unsicher, während auch bei Kerrin in Australien Änderungen bevorstehen ... Wie immer drängen die Romangestalten sich gesprächig in den Vordergrund, leben in ihr Romanleben farbig und schwungvoll, wollen gehört werden, gestikulieren, diskutieren – sind mal laut und fröhlich, mal still und in sich gekehrt. Selten muss ich einlenken, sie agieren in ihrer Romanwelt selbstbewusst, diktieren die Handlung ... längst sind sie dem Diktat der Autorin entflohen, „existieren“ sozusagen in einem Schriftstelleruniversum, warten nur darauf, dass ich mit dem Aufschreiben folge. 

WattUnd doch fiel es mir schwerer, dieses Buch zu schreiben, als die vorhergehenden - Ebbe, Flut und Tod und Die Frau des Marschbauern. Gibt es Bücher die geschrieben werden müssen? Vielleicht. Bücher, die geschrieben werden wollen? Ja. Dieses Buch wurde inspiriert von meiner Großtante, Christine Hermine Jürgensen. Christine wurde am zweiten September 1902 geboren, ihr genaues Todesdatum kenne ich nicht. Wahrscheinlich war sie 40 Jahre alt, als sie starb. Gewiss ist nur, dass Christine Jürgensen am dritten Juli 1920 in die Landesheilanstalt Schleswig-Stadtfeld eingewiesen wurde. Am zwölften August 1920 wurde sie entlassen, eine Diagnose ist nicht angegeben. Bedeutet das, dass eine erneute Einweisung vorgesehen war? Auch das geht aus den Akten nicht hervor. Und da verrinnt die „amtliche“ Spur; die Akten, die Auskunft geben könnten, sind verschwunden. Sicher ist nur, dass Christine, die womöglich an Schwermut litt, wieder eingeliefert wurde und zu einem unbestimmten Datum (1941?) in eine Tötungsanstalt verlegt wurde. 1942 (?) erhielt die Familie den Bescheid, dass ihre Tochter an Herzversagen gestorben war. Christine wurde ein Opfer der Rassenhygiene, ihr Leben wurde für „unwert“ erklärt. (Ich bin Frau Dr. Beate Meyer vom Institut der Deutschen Juden, Hamburg, zu Dank verpflichtet, sie entdeckte durch ihre Nachforschungen Christines Akte aus Schleswig.) Was geschah mit Christine – wie dachte, fühlte sie? Wenig ist überliefert. Sie konnte wunderschön handarbeiten, erfahre ich. Sie half ihrer Mutter im Haus, obwohl sie mit der Berufsbezeichnung „Dienstmädchen“ in der Akte aus Schleswig vermerkt ist. Konnte sie ihren Beruf nicht ausüben? Sie erkrankte an Hirnfieber und lag drei Tage im Tiefschlaf, erzählt meine Mutter mir. Ein Cousin berichtet, dass Christines Verlobter auf dem Operationstisch einer Verletzung erlag, und dass sie seinen Tod nie überwinden konnte. Eine Cousine beschreibt Tante Christines furchtbare Wutanfälle, die beängstigend waren, musste man sie miterleben. Als mir zufällig ein Photo von ihr in die Hände fällt, sehe ich eine schlanke, hübsche junge Frau – gut angezogen ist sie, in einem feinen Seidenkleid im Stil der zwanziger Jahre. Sie blickt in die Kamera, jedoch ihr Ausdruck ist reserviert: Als ob sie ihre Gedanken lieber für sich selbst behält – nichts deutet auf Geisteskrankheit hin.

Die Stimmen der Villa Blanke Hans erzählt nicht die Geschichte Christines – ihre Geschichte bleibt weithin unbekannt. Das Buch ist nur der Versuch, das Schicksal von Menschen nachzuerleben, die im Strudel des dritten Reiches gefangen und unerbittlich mitgezogen werden. Es wurde inspiriert von Christine und soll an die Opfer der Rassenhygiene erinnern. Immer fasziniert mich das Leben der Frauen. Während der Zweite Weltkrieg um sie herum brodelt, die Männer an der Front kämpfen oder als Kriegsgefangene in Lagern siechen, ist es den Frauen überlassen, trotz der Wirren, trotz der unendlichen Schwierigkeiten und Nöte, der vielen Entbehrungen, weiterzuleben. Die Frauen bleiben zurück, sorgen für ihre Familien, bangen um ihre fernen Söhne und Männer, aber gleichzeitig zerbrechen sie sich den Kopf, wo die nächste Mahlzeit herkommen wird, das Feuerholz, die Kohle oder genügend Marken, um ein Paar Schuhe oder einen neuen Wintermantel zu kaufen.

Und trotz der teilweise traurigen Lebensumstände, findet sich viel Humor in meinen Büchern: Der Humor tröstete die Menschen über die dunkeln Stunden hinweg und gehörte genau so zum täglichen Leben, wie der Kummer und der Schmerz.


Tagebuch der Lesereise Mai 2009

 

Sonnenaufgang auf FöhrWie heißt es noch so schön: Wenn einer eine Reise tut, hat er viel zu erzählen ... Stimmt, nur ... warum gibt es keinen Spruch: Wenn eine eine Reise tut, hat sie viel vorzubereiten ... Vor allem, wenn es sich um eine Lesereise handelt und man vorhat, möglichst vielen Lesern ihren neuen Roman vorzustellen! Denn darum geht es bei meiner Maireise ... obwohl nicht nur, denn wer kann sich einen schöneren Monat wünschen, um nach Deutschland und auf die Insel Föhr zu fahren. Seitdem ich 1972 Deutschland verlassen habe, bin ich nicht einmal im Mai nach Hause zurückgekehrt ... unglaublich. Und trotzdem habe ich nie vergessen, wie schön es ist im Mai. Das zarte Grün, die laue Luft, der klare Himmel, das besondere Licht ... Vielleicht habe ich die Erinnerung an den Mai in Deutschland nie verloren, weil hier in Melbourne, wo ich lebe, der Frühling und der Herbst mich immer am stärksten in die Heimat zurückversetzen. Auch hier haben wir diese stillen Tage, dieses Versprechen, das in der Luft liegt ... Und, da es bei uns in Melbourne dank der ‚verkehrten’ Jahreszeit jetzt Herbst ist, anstatt Frühling, ist die Welt in dies goldene Licht getaucht, das alles sanfter erscheinen lässt. Die Konturen, die sonst von der grellen Sonne krass hervorgehoben werden, weicher scheinen, und die Natur, die nicht mehr unter der extrem heißen Sonne nach Erfrischung lechzt, gibt sich üppig. Und so erinnert sie mich an das saftige Marschland Föhrs und die grünen Deiche.

Blumen in meinem GartenIn Melbourne verfärbt sich im Mai das Herbstlaub: rot, gold, braun – da ich in einem der älteren Stadtteile Melbournes lebe, das schon vor fast 150 Jahren von europäischen Siedlern errichtet wurde, bin ich von europäischen Bäumen umgeben, die sich unter die immergrünen australischen Gewächse mischen. Und so ist es in diesen Jahreszeiten, dem Frühling und dem Herbst, dass ich mich am stärksten in die Heimat zurücksehne. Dieses Jahr ist es eher einer Reihe von Zufällen zu verdanken, dass die Reise nach Föhr nicht früher oder später stattfindet, sondern im schönen Monat Mai. Und wenn auch Sie sich zufällig gerade dann auf Föhr aufhalten, dann haben Sie vielleicht Lust, nach einem Buch zu greifen ... oder sich vorlesen zu lassen. Von Buchpräsentationen und anderem Am 19. Mai 2009 fand meine erste offizielle Buchpräsentation in Deutschland statt. Die Stimmen der Villa Blanke Hans, der dritte Teil meiner ‚Föhrer Familiensaga’ stellt sich in der Wyker Buchhandlung vor – der begrenzten Räumlichkeiten wegen müssen wir uns auf eine gewisse Zahl von geladenen Gästen begrenzen. Und nun sitze ich im fernen Australien, und überlege, wen lade ich ein? Wem schulde ich Dank, weil sie mir Rat und Hinweise gegeben haben, wenn ich Information suchte über das historische Wyk – wie zum Beispiel: Standen in den 50er Jahren Bäume in der Großen Straße? Wurde der Jahrmarkt damals schon in der Hafenstraße abgehalten? Wer hat sich mit Anekdoten und Erinnerungen beteiligt? Wer hat mich zum Schreiben inspiriert, wer hat die Liebe zur Literatur in mir erweckt? Wer würde sich freuen, dass aus mir eine Schriftstellerin geworden ist? Mir fallen gefällige Wyker ein, die mal schnell per Telefon sich ausfragen ließen; andere, die gemütlich über Kaffee und Kuchen erzählten. Dann waren da unsere Lehrer und Lehrerinnen, die interessante Aufsatzthemen stellten, geduldig lasen und korrigierten – immer schon konnte ich mich nicht kurz fassen. Andere, die uns zum Lesen animierten, zur Diskussion, zum Nachdenken. Außerdem Freunde, Verwandte, Bekannte und die, die ich gern zu meiner Bekanntschaft zählen würde. Die Liste wird länger. Endlich sind die Einladungen geschrieben und die Post geht ab. Sicher habe ich einige vergessen ... aber wozu gibt es die e-mail, eine feine Sache, um schnell Nachrichten vom Kontinent zur Insel zu blitzen. Und dann die Frage: Was erzähle ich den Leuten? Etwas darüber, wie ich meinen Weg zum Schreiben fand? Ein bisschen über das Leben „down-under“, über Auswanderung und Heimweh und wie das dazu geführt hat, dass ich, als ich anfing auf Deutsch zu schreiben, Föhr als Handlungsort gewählt habe? Also die Rolle der Regionalliteratur? – dazu findet sich ein äußerst interessanter Artikel im Internet mit Zitaten, die ich den Zuhörern auf keinen Fall vorenthalten kann. ( Prof. Dr. Günter Scholdt: “Macht wirklich nur Stadtluft frei?” Mehr lesen)

 

BuchpräsentationUnd schon plane ich den nächsten Abend: für den 20. Mai ist eine Autorenlesung angesagt,Die Stimmen der Villa Blanke Hans, im Kurgartensaal am Sandwall. Für alle, die Lust haben und die bereit sind zu zahlen (€ 6 im Vorverkauf, € 7 an der Abendkasse). Hier hielt ich 2007 meine allererste Lesung ab (Ebbe, Flut und Tod) und war so aufgeregt, dass ich fast stolperte, als ich die Stufen zur Bühne erklimmen musste. Aber siehe da, so schwer war es gar nicht. Das Publikum hörte geduldig zu, schmunzelte an den richtigen Stellen, und gab sich nachdenklich, wenn es ernst wurde. Und jedes Mal, wenn ich von meinen Seiten hochschaute, war da so ein nettes junges Ehepaar links vor mir, das mich freundlich und ermutigend anlächelte. Der Preis eines Lächelns ist minimal, der Wert unschätzbar ... Für diese Leute und all die anderen, die damals kamen und die seither gekommen sind, plane ich die Lesung so interessant, amüsant und unterhaltend zu gestalten, wie es nur geht. Das kleine Städtchen Wyk hat drei Buchhandlungen: bubu, direkt am Sandwall gelegen, kennt natürlich jeder. Jürgen Huß, dem humorvollen Inhaber, verdanke ich schon zwei erfreuliche Rezensionen zu meinen Büchern. Karin und Kirsten Müller von der Wyker Buchhandlung erzählte ich als erstes von der bevorstehenden Veröffentlichung meines ersten Buches, in jenen bangen Tagen, als Ebbe, Flut und Tod darauf wartete, im Schardt Verlag, Oldenburg, das Licht der Welt zu erblicken. „Klar verkaufen wir deine Bücher“, sagten sie, als ob ich mal eben meine frisch geerntete Petersilie zum Verkauf anbot! Wie konnten sie so sicher sein, dass es klappen würde? Nun, klappen tat’s und seither bieten alle drei Buchhandlungen meine Bücher zum Verkauf an – und immerhin: Wem könnte man schon vertrauen, wenn nicht einem Buchhändler? Die dritte Buchhandlung im Bund – und die Jüngste in Wyk – ist auch in der Mittelstraße angesiedelt. Also ist mein nächster Stopp Bücher und Meehr. Hier werde ich mich am 21. Mai von 14 bis 17 Uhr aufhalten, mich mit Lesern unterhalten, Bücher signieren und Föhreindrücke austauschen. Mich mit Lesern unterhalten, zu erfahren, was ihnen gefällt, worüber sie gern lesen, das macht Spaß. Der Geschmack jeden Lesers ist unterschiedlich, jeder bringt auch seine eigene Geschichte mit. Gespräche ergeben sich, die ich um nichts missen würde! Im Landhaus Laura auf Föhr - entspannt Im Landhaus Laura auf Föhr - entspannt Und schießlich – und schon fast wieder auf dem Weg zurück nach Australien – noch ein Leckerbissen. Für die Menschen, denen Oldenburg (Oldb) keinen Umweg bedeutet, gibt es eine Vorlesung der besonderen Art. Am 25. Mai um 19.30 Uhr liest die Schauspielerin Stephanie Baak aus meinen Romanen – im Lindencafé in der Lindenallee! Na so was: Ich brauche nur ein bisschen zu moderieren und im Übrigen darf ich mich auch mal unterhalten lassen. 

By: Sabine Nielsen On Mittwoch, 21. Juli 2010 Comment Comments( 0 ) Hits Views(7014)
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